Datenjournalismus im November 2014

Screenshot http://qz.com/296941/interactive-graphic-every-active-satellite-orbiting-earth/

Screenshot http://qz.com/296941/interactive-graphic-every-active-satellite-orbiting-earth/

INTERVIEWS & ARTIKEL

Gleich zu Beginn begeben wir uns mal mutig auf die Metaebene: Was ist Datenjournalismus überhaupt? Worüber reden wir hier eigentlich? Tony Hirst hatte bereits im September eine interessante Diskussion angeregt, als er eine Abgrenzung zwischen “Data Reporting” und “Data Journalism” vorschlug. Dazu gibt es übrigens hier einen interessanten Twitter-Austausch zwischen Tony, Emily Bell und Gavin Sheridan. Auch Mark Coddington bietet eine Typologie des Begriffs Datenjournalismus an. Im deutschsprachigen Raum beschäftigt sich Prof. Brosius mit der “Begriffsvielfalt rund um ‘Computational Journalism’“. Mittlerweile kommt auch noch eine weitere Dimension hinzu: Ist Journalismus per Virtual Reality auch ein Genre des Datenjournalismus?

Hach, Student/in müsste man sein – US-Universität Stanford bietet einen “Public Affairs Data Journalism”-Kurs an. Besonders interessant sind hier die Datensätze, mit denen die Studenten im Rahmen von Projekten arbeiten sollen, die empfohlenen Tutorials und die Literaturempfehlungen.

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Nachdenken über Erzählformen und Datenjournalismus in Virtual Reality

elite_planet

Seit wenigen Tagen haben wir nun eine Virtual Reality-Brille im Büro. Das erste Fazit: Die Oculus Rift als „Developer Kit“ in der zweiten Version ist definitiv noch nicht endverbrauchertauglich. Die Auflösung (1920*1080 – Full HD) ist zu niedrig – für jedes Auge steht eben nur die Hälfte der Gesamtauflösung zur Verfügung. Es ist nicht unheimlich schwierig, dass Gerät zum Laufen zu bringen; benötigt wird aber zumindest Sicherheit im Umgang mit diversen Einstellungen des eigenen Rechners. Es scheint auch so zu sein, dass man sich langsam an die Nutzung des Geräts gewöhnen muss; es beansprucht die Augen, hinterlässt nach längerer Nutzung und dem Absetzen ein leichtes Gefühl der Desorientierung.

Das Headtracking allerdings scheint die Gefahr der “Seekrankheit” deutlich zu mindern (eine Kamera erfasst die Neigung des Kopfes und erlaubt, dass man sich durch Annäherung des Kopfes ein Ding in der virtuellen Welt näher betrachten kann). Zudem ist es beeindruckend, wie schnell sich der Kopf wenden lässt, ohne ein hinterherhinkendes oder schlierendes Bild.

Was die Rift jetzt schon liefert: Eine eindrucksvolle Ahnung davon, was in ein oder zwei Jahren möglich sein könnte, wenn die Auflösung höher und die Brille leichter ist. Die Vorabversion des bald erscheinenen Spiels „Elite Dangerous“ ist dafür der derzeit wohl beste Showcase. Wer aus einer riesigen Raumstation hinausgeleitet und einen Planeten in 3D vor seinen Augen im weiten Schwarz des Weltraums hängen sieht, merkt: Diese Technologie hat durch sein Erfahrbarmachen von Räumlichkeit ein enormes Potential.

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Datenjournalismus im Oktober 2014

EarthWindMap | Screenshot von http://earth.nullschool.net/

EarthWindMap | Screenshot von http://earth.nullschool.net/

Christina Elmer erklärt Message, warum Datenjournalismus DIE Erzählform der Zukunft ist. Das Besondere:

„[...] unsere Erkenntnisse sind dabei nicht nur Beiwerke zu klassischen journalistischen Erzeugnissen wie Texten. Das Produkt des Datenjournalismus besteht vielmehr aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, das es ermöglicht, eine Geschichte perfekt zu erzählen.”

Wie war das nochmal mit der Korrelation und der Kausalität? War das signifikant? Hier ein paar Fragen, die man sich als Datenjournalist eigentlich nicht mehr stellen darf … oder eben unbedingt stellen sollte? Ein weiterer Klassiker unter den Statistik-Fallen: Darstellungen verkürzter Zeiträume. Die haben wohl alle das gleiche Buch gelesen … oder hätten es eben unbedingt lesen sollen?

Schönes Beispiel dafür, warum das Schreiben über Zahlen „immensely challenging“ sein kann: in dem ursprünglichen Artikel geht es um Alkoholkonsum in den USA. Trevor Butterworth nimmt diesen Post a.u.s.e.i.n.a.n.d.e.r. und zeigt recht eindeutig, warum es der Wonkblog der Washington Post versäumt hat, Fußnoten zu checken und die Daten richtig zu beschreiben.

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Datenjournalismus im September 2014

Es ist mal wieder soweit. Nach einer längeren Pause geht es hier weiter mit einer aktuellen Auswahl von Links und kommender Termine.

syr

Screenshot aus “Project Syria” von Nonny de la Peña

INTERVIEWS & ARTIKEL

Interessantes Interview mit Sarah Cohen von der New York Times. Sie erzählt, welche Skills man als Datenjournalist unbedingt beherrschen muss, welche Tools man nutzen sollte und auf welche Dinge man erstmal verzichten kann.

Schöner Artikel bei Pro Publica über verschiedene Visualisierungsmöglichkeiten. Waldo wird zum Anti-Helden deklariert und es wird erklärt, wie visuelle Kommunikation („small multiples, sparklines, icons, etc.“) funktioniert und rezipiert wird.

Ein paar Monate her, aber trotzdem noch interessant: Julius Tröger und Sylke Gruhnwald interviewten Scott Klein, “Assistant Managing Editor” und verantwortlich für die Bereiche Datenjournalismus, interaktive Grafiken und News-Applikationen bei ProPublica. Ganz spannend sind hier vor allem Klein’s Tipps zum Aufbau eines Datenteams:

Man sollte versuchen, Personen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und Talenten einzustellen – zwei der folgenden drei Dinge sollten sie mindestens mitbringen: inhaltliche Urteilsfähigkeit, ein Gespür für Design und Kenntnisse im Bereich Programmierung. Die Journalistische Urteilsfähigkeit ist die wichtigste und das schwierigste dabei.

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Testat* der Ratlosigkeit – Anmerkungen zu Blumencron

Unlängst forderte Mathias Müller von Blumencron in der FAZ:  “Schafft den Online-journalismus ab”. Die unselige Debatte Print-vs-Online sei ein für allemal zu beenden. Vielmehr, so der Ex-Chefredakteur von Spiegel Online, solle nur noch darüber debattiert werden was guter Journalismus sei.

Was ist guter Journalismus für Blumencron? “Die exzellente Recherche, der starke Artikel, das ganz besondere Angebot”, dem es gelingt sich in der “neuen Meinungswelt” Gehör zu verschaffen. Mehr sagt er dazu in seinem 18.000 Zeichen-Artikel nicht.

Der ist deshalb bemerkenswert, weil er ein Testat* für die Ratlosigkeit der Branche abgibt. Blumencron, 54,  ist seit gut einem Jahr Chef der Online-FAZ. Er dürfte exemplarisch für so manche in den Führungsriegen deutscher Medienhäuser stehen. Bei ihnen gilt das Internet weiterhin als unheimlicher Ort, in dem sich vollends der “Irrsinn Bahn” brechen könnte. Es herrsche dort ein “kakophonischer Informationslärm”. 

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CartoDB: Überblick und Tutorial

Schon länger wollte ich einen kleinen Lobgesang auf CartoDB anstimmen: Ein großartiges Tool, noch dazu Open Source, das sich eigentlich als Standardkartenwerkzeug in Redaktionen längst etablieren haben sollte. Es gibt die gehostete Version, die neben einem kostenfreien Plan auch kostenpflichtige bereit hält. Alternativ könnte eine Redaktion auch selbst die Software auf einem Server aufsetzen – muss dann aber auch über eigenes Kartenmaterial verfügen (siehe dazu: “Verlage und Redaktionen – Investiert in Karten“)

CartoDB ist ungefähr zwei Generationen jünger als das nunmehr in die Jahre gekommene Fusion Tables, mit dessen Darstellungsoptionen man schnell an Grenzen stößt und dessen Look mittlerweile abgegriffen wirkt (Fusion Tables wird, so heißt es, von einer Person bei Google entwickelt).

Das aus Spanien stammende CartoDB, 2012 gestartet, bietet dagegen mitterweile einen mächtigen Funktionsumfang, darunter auch (meiner Meinung nach) eine recht sinnlose Twittervisualisierung, aber auch Animationen (Torque) entlang einer Zeitleiste. Interessant ist auch das zu CartoDB gehörende Projekt Odyssey für “Storytelling” auf Karten.

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Müssen Datenjournalisten programmieren können?

Tweet_Programmieren_DDJ_Natalia_Karbasova

Mit diesem etwas vereinfachten Statement von mir trat Natalia Karbasova auf Twitter eine kleine Diskussion zu Datenjournalismus (DDJ) und Programmierkünsten los, die zeigt, dass diese Frage alles andere als beantwortet ist. Vielleicht, weil wir hierzulande noch keine klare Vorstellung davon haben, wie guter Datenjournalismus entstehen kann. Und was er überhaupt ist.

Die Diskussion ums Programmieren lohnt also. Bisher verläuft sie allerdings ziemlich schwarz-weiß, scheint mir: Wer Programmieren kann, ist dafür, der Rest ist dagegen. Egal, ob er tatsächlich nicht programmieren will, es sich nicht zutraut, oder einfach keine Chance sieht, die Zeit fürs Lernen und Ausprobieren aufzubringen.

Ich starte hier den Versuch, die Diskussion aufs Inhaltliche zu lenken: Wo und wie hilft es Datenjournalisten konkret, coden zu können?
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Der langweilige Datenjournalismus zur Fußball-WM

Project BABB, Telegraph UK

Es gab ein Feuerwerk an Datenstücken und Interactives rund um die Fußball-WM der Männer in Brasilien: Gut zu beobachten war, wie die New York Times ihre Muskeln spielen ließ und ein Stück nach dem anderen veröffentlichte – und nicht zuletzt in den Liveblogs direkt Datenvisualisierungen einbaute.

Hier im Blog habe ich 21 Visualisierungen und interaktive Stücke zum Thema gesammelt. Handwerklich sind einige von ihnen grandios. Aber wirklich vorher Unbekanntes oder Erkenntnisreiches, etwas, das eine neue Sicht der Dinge lieferte, habe ich keines entdeckt.

Vornehmlich ging es rein um das Sportereignis an sich; nicht um ökonomische, politische oder soziale Themen, die im Zusammenhang mit dem Event stehen. Wie wäre es mit Stücken zu Geldmaschine Fifa, zu Korruption, zu Einnahmen und Ausgaben des Staates Brasilien, über Reisewege der Fans inklusive C02-Ausstoß usw. usf. gewesen?

Aber es ging eben nur um das Spiel, vielleicht auch Ausdruck davon, dass in den Redaktionen viele Fans sitzen. Neben einer Liste aller Spieler diente als zweite vorwiegend verwendete Datenquelle die Firma Opta (zur Messung von Daten bei Fußballspielen habe ich im Blog vor einigen Jahren hier geschrieben). Einen Diskurs über die Qualität dieser Daten oder ein Hinterfragen der Datengenese des Quasi-Monopolisten ist mir nicht bekannt; das gilt auch für die Daten der FIFA. (Update: In einem Kommentar unten wird auf diesen Text hingewiesen: “6 Gründe warum Spiegel Onlines ‘Fussballdaten’ problematisch sind”.)

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Die substantiellen Probleme von Spiegel Online

spUnbestritten ist Spiegel Online eines der führenden Nachrichtenportale im deutschsprachigen Raum. Warum eigentlich und vor allem: Wie lange noch?  Es scheint, als ob sich auf den Lorbeeren des Grimme Online Awards von 2005 ausgeruht wird. Den begründete dessen Jury damals so: “Stets war das Angebot auf der Höhe der Zeit, ohne die Inhalte unter technischen Experimenten zu verdecken.”

Ja, technische Experimente kann man SpOn tatsächlich nicht vorwerfen. Aber das ist einer der Gründe, warum neun Jahre später nicht mehr von “auf der Höhe der Zeit” gesprochen werden kann: Vom Einsatz neuer Formate oder dem virtuosen Umgang mit Webtechnologien kann bei SpOn wahrlich nicht die Rede sein; hinsichtlich von Darstellungsformen und Herangehensweisen hinkt die Nachrichtenseite den Flagschiffen New York Times und Guardian zwei oder drei Jahre hinterher – in der Internetzeitrechnung entspricht das eben zwei oder drei Generationen. Das lässt sich erahnen, liest man etwa die Hintergründe zum NYT-CMS oder die Einträge beim Guardian Beta-Blog.

Die offenbar mangelnde Vision und Strategie wird eher früher als später ein substantielles Problem für SpOn darstellen.

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Sammlung: Datenstücke zur Fußball-WM 2014

Rund um die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2014 in Brasilien werden mehr und mehr datenjournalistische und interaktive Stücke veröffentlicht.

Eine fortlaufend ergänzte Sammlung:

Spiegel Online: Die Abrechnung (16.7.) – Interactiveabrechnung

Twitter: Replay #worldcup2014 (15.7.) – Interactivereplay

B. Morgenpost: Die WM der Selfies (14.7.)  - Interactiveselfies

EconomistEvery goal scored in the football World Cup, by minute (2.7.) – Interactive goaaaal

Zeit Online: WM-Fieberkurven auf Twitter (27.6.) – Interactivekurve

NYT: 984 Ways the United States Can Advance (26.6.) – Interactiveuswins

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