Buch für Einsteiger: Datenjournalismus – Methode einer digitalen Welt

ddj_buch3Ab kommenden Montag, den 11. Juli 2016, ist mein Buch „Datenjournalismus – Methode einer digitalen Welt“ erhältlich. Die UVK Verlagsgesellschaft hatte mich vergangenes Jahr gefragt, ob ich einen Einführungsband schreiben möchte. Das mochte ich. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag, konkret mit Frau Sonja Rothländer, hat sich als angenehm und konstruktiv erwiesen. Vielen Dank dafür!

Es ist ein knappes Buch geworden. Wie gesagt, es richtet sich an Einsteiger und soll eine erste Orientierung bieten. Wer einen Blick in das Buch werfen mag, findet einen Auszug auf der Website des Verlags – unterhalb des Abbilds des Covers muss dafür auf den Button „Buch öffnen“ geklickt werden.

Die Kosten für das E-Book betragen 15, für das gedruckte Buch 18 Euro.

Hier folgt jetzt das Ankündigungstext und darunter wird das Inhaltsverzeichnis aufgelistet. Falls jemand das Buch lesen sollte, freue ich mich über Kritik, Anregungen und generell Feedback.

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Data Journalism Awards 2016 & Unconference

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Am 14. April (die Frist wurde verlängert) In zehn Tagen, am 10. April 2016, endet die Einreichungsfrist für die Data Journalism Awards 2016. Eingereicht werden können Werke, die zwischen dem 10. April 2015 und 4. April 2016 erschienen sind. Die Einreichung muss auf Englisch geschehen; dies bedeutet für deutschsprachige Datenjournalismusstücke, dass Übersetzungen angefertigt werden müssen.

dju-square_299x299Es werden in zwölf Kategorien Preise von jeweils 1000 Euro vergeben; verliehen werden diese in Wien auf dem diesjährigen „Summit“ des Global Editors Networks, das die Awards zum fünften Mal ausrichtet. Termin der Preisverleihung ist der 16. Juni 2016.

Zuvor wird die Shortlist der Awards am 10. Mai auf der „Data Journalism Unconference“ bekannt gegeben. Es gibt 80 Plätze auf die sich beworben werden kann. Die Veranstaltung in New York selbst ist kostenfrei; Reisekosten müssen allerdings selbst getragen werden.

datenjournalist.de ist Medienpartner der Data Journalism Awards 2016

Die betretbare Infografik

Wie wir Virtual Reality im Lokaljournalismus einsetzen wollena100_flug2b

Seit Ende vergangenen Jahres arbeiten wir an einem Virtual Reality-Projekt zum geplanten Autobahnausbau in Berlin. Wir denken, VR ist ein großartiges Medium für die Auseinandersetzung mit städtebaulichen Vorhaben. Denn es lässt eine Situationen weit vor der eigentlichen Realisierung räumlich erfahrbar machen. Insofern sollte man VR nicht nur als „Empathie-Maschine“ verstehen, sondern eben auch als Zeit- und Raummaschine.

 [Article in English]

Mit unserem Vorhaben „A100 VR“ wollen wir zeigen, wie der 17. Bauabschnitt der Stadtautobahn ausschauen könnte. Wir setzen dafür ein 3D-Stadtmodell der deutschen Hauptstadt ein und kombinieren 360-Grad Fotos mit computergenerierten Bildern. Es geht also nicht um einen 360 Grad-Film, sondern wir realisieren ein non-lineares interaktives Stück auf Basis von 3D-Grafik.

Das besondere an besagtem Bauabschnitt ist, dass er durch einen dicht besiedelten Teil von Berlin führen soll; knapp ein Kilometer davon als doppelstöckiger Tunnel, der in einer recht engen Wohnstraße wohl von oben im Boden versenkt werden soll. Zwar ist der Baubeginn nicht vor 2022 zu erwarten (wenn überhaupt, denn er ist wie der Autobahnausbau zuvor umstritten). Doch dürfte eine endgültige Entscheidung über seinen Bau deutlich früher fallen.

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Datenjournalismus 2015: Ein Rückblick

2016 wird das vorerst beste Jahr für Datenjournalismus in Deutschland werden. Diese Prognose kann ich mit gutem Gewissen abgeben. Denn folgen wir dem Bild des “hype cycle” ist der “Pfad der Erleuchtung” erreicht – der “Gipfel der überzogenen Erwartungen” und das folgende “Tal der Enttäuschungen” liegen hinter uns: Es geht langsam aber stetig bergauf, was z.B. im Datenjournalismuskatalog zu betrachten ist.

Einige der in diesem Beitrag erwähnten Arbeiten.

Es zeigt sich aber auch anhand folgender Faktoren:

Mit BR Data hat der erste öffentlich-rechtliche Sender nun ein explizites Datenjournalismusteam (in der Schweiz gibt es das schon etwas länger mit SRF Data). Es besteht derzeit aus sieben Personen. Nach dem Sommer kamen die ersten Werke und insgesamt lässt sich sagen: Das sieht vielversprechend aus. Eine Serie zum Thema Geflüchtete widmete sich u.a. der Frage, wer eigentlich die staatlichen Gelder einstreicht, die in diesem Sektor verteilt werden. Für so etwas ist Datenjournalismus perfekt und sollte öfter angewandt werden. Denn viel zu selten wird sich der Frage gewidmet, wohin denn öffentliche Gelder eigentlich fließen, die “weg” sind. Das jüngste Werk anlässlich des Klimagipfels wagt einen Blick in die Zukunft der Skigebiete: So sollte regionaler Datenjournalismus aussehen. Im Bereich Design/Usability ist aber noch Luft nach oben.

Hoffen wir, dass noch mehr Öffentlich-Rechtliche in Datenjournalismus investieren. Allerdings nicht so wie das ZDF: Angeblich über 150.000 Euro sollen in das Lobbyradar geflossen sein – das hätte für eine kleine NGO ein Jahr lang gereicht oder für 2-3 Stellen in einem Datenjournalismusteam. Doch nun wird das Vorhaben nach gut einem halben Jahr eingestellt, heißt es bei Zeit Online. In gleichem Text wird geraunt, Grund dafür könnte politische Einflussnahme gewesen sein – vielleicht ist er aber auch schlicht die Erkenntnis, dass es sich um eine Fehlkonstruktion handelte. Die Daten und den Code gibt es jedenfalls hier.

Frauen leiten

Das Datenjournalismusteam bei Spiegel Online wurde dieses Jahr auf 2,2 Stellen aufgestockt: Christina Elmer wurden Patrick Stotz und 1/5 Achim Tack zur Seite gestellt. Daraus ergab sich zum Beispiel der Schwerpunkt Betongold, den ich für eines der gelungensten ddj-Werke im deutschsprachigen Raum in diesem Jahr halte. Bleibt die Frage, wie sich der angekündigte 20-prozentige Stellenabbau beim Spiegel auf den Datenjournalismus dort auswirkt. Hinsichtlich von Design und Usability könnten die Hamburger jedenfalls auch noch Verstärkung gebrauchen.

Übrigens: Ein interessantes Phänomen in der doch kleinen deutschsprachigen Datenjournalismuswelt ist, dass von den wenigen Abteilungen die meisten von Frauen geleitet werden (Christina Elmer bei SpOn, Sylke Gruhnwald bei SRF, Ulrike Köppen beim BR).

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Das Gegenteil von Ambition: ze.tt und bento

Selbstredend ist es legitim, dass der Zeit Verlag und die Spiegel Gruppe Angebote wie ze.tt und bento starten. Es ist ihre Aufgabe, neue Erlösmodelle zu finden, sich Zielgruppen zu erschließen oder warm zu halten. Bis heute scheint es mir, dass viele Journalisten immer noch glauben, ihr Gehalt fiele vom Himmel (obwohl das bei den Öffentlich-Rechtlichen gewissermassen stimmt). Was auf der verqueren Annahme beruht, Journalismus hätte nichts mit Unternehmertun zu tun und journalistische Werke seien keine Produkte, die sich auf einem Markt behaupten müssen.

Sich bei gut gehenden Vorbildern konzeptionell zu bedienen, Stichwort Buzzfeed, ist ebenfalls legitim. Letztlich hat ja auch niemand ein Patent auf das Konzept Tageszeitung.

Man kann die vorliegenden Ergebnisse nun für “Journalismus für Dumme” halten und auch konzeptionell für falsch. Allerdings denke ich, dass Zeit Verlag und Spiegel Gruppe nicht blauäugig in so etwas investieren, sondern sich dabei schon etwas gedacht und in diesem Fall vor allem ausgerechnet haben. Durchschnittszahlen über die durch einzelne Mitarbeiter erwirtschafteten Umsätze zeigen auf, worum es gehen dürfte: Maßgeblich sollen ze.tt und bento Trägermedien, Gerüste für “Native Advertising”  sein. Darauf weist nicht zuletzt der lange Eintrag im FAQ-Abschnitt „Finanzierung“ bei bento hin. In dem wird detailliert auseinanderklamüselt, was unter diesem Werbeformat zu verstehen sei.

Kein Hauch einer eigenen Idee

Was mich allerdings mal wieder frappiert: Wie umambitioniert hier zu Werke gegangen wird. In keinem der beiden Produkte ist auch nur ein Hauch von einer eigenen Idee zu entdecken, die das Konzept von Buzzfeed & Co weiterdreht. Es gibt, soweit ich das überblicke, nicht mal ansatzweise interaktive Stücke, den Einsatz von Landkarten und Datenvisualisierungen. Im Jahr 2015 werden komplett neue Redaktionen geschaffen, ohne offenbar auch nur einen einzigen Webentwickler ins Team zu holen. Und selbst ohne einen Entwickler könnte man sich den zahllosen Tools bedienen, die auf verschiedenen Niveaus andere und ergänzende Erzählformen ermöglichen. Nicht wenig davon kann auch mobil funktionieren.

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Aus Datenjournalismus sollte Journalismus über Daten werden

Als vor sechs, sieben Jahren dieses neue Genre Datenjournalismus entstand, war ein Enthusiasmus zu spüren. Zumindest habe ich das so empfunden. Endlich ein Genre, das die vielfältigen Möglichkeiten des Netzes nutzt. Eines, das die Linearität der bestehenden Gattungen durchbricht. Eines, das die adäquate Antwort auf die fortschreitende Digitalisierung mit ihren immer größeren Datenmengen ist.

Noch länger, fast zehn Jahre ist es her, dass Adrian Holovaty einen Text schrieb, der zurecht viele inspirierte. Allerdings muss man 2015 feststellen: Seinen Ideen und Rat ist kaum wer gefolgt. Die W-Fragen, die Nachrichten permanent beantworten, werden von keinem Medium systematisch gesammelt, um sie dann auszuwerten und wieder journalistisch zu verwerten. Wenn Daten im Journalismus heute wirklich eine Rolle spielen, sind es es Userdaten, die jeden Klick, jede Regung der Maus oder auf dem Touchscreen registrieren.

Das Missverständnis

Meine Hoffnung, dass Datenjournalismus mit seinen neuen Perspektiven mehr Gehalt, neue Themen und mehr Tiefe in die Berichterstattung bringt, ist nur punktuell erfüllt worden. Es scheint: Je mehr sich zahlreiche Medienhäuser gegenseitig krampfhaft versichern, Qualitätsjournalismus zu betreiben, um so weniger Qualität wird wirklich geliefert. So ist es bezeichnend, was dieses Jahr im Statement der Nominierungskommission des Grimme Online Awards zu lesen war:

“Wie schon im letzten Jahr waren wir überrascht über einen Mangel an Aktualität: Die meisten großen und relevanten politischen Reizthemen (Überwachung/Bürgerrechte, Freihandel/TTIP, zunehmende Arm/Reich-Schere…) fanden auch diesmal so gut wie gar nicht statt. Das empfinden wir als etwas beunruhigend. Vielleicht sollten die Anbieter nach Präsentation und Recherche nun einen weiteren Schritt in der journalistischen Wertschöpfung zurückgehen und sich noch einmal gründlicher mit der Themenfindung beschäftigen.”

Präsentation und Recherche allein machen keinen Journalismus. Sicher: Die Einreichungen zum Grimme Online Award sind nicht gleich eine empirische Studie über das, was im deutschsprachigen Onlinejournalismus so vor sich ging. Aber der Auswahlprozess ist zumindest eine solide Erhebung und ein verlässlicher Gradmesser. Das eben genannte Statement deckt sich jedenfalls mit meiner Wahrnehmung: Dort, wo Journalismus, wo Datenjournalismus dringend benötigt würde, findet er nicht statt.
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Die datengetriebene Lokalzeitung – die Automatisierung der Nachrichten wird kommen

Seit einigen Jahren darf/muss ich viele Lokalnachrichten lesen. Bzw. überfliegen. Berufsbedingt. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Mindestens die Hälfte von den geschriebenen Lokalnachrichten, wie sie heute üblich sind, lässt sich in absehbarer Zukunft automatisch generieren. Aber es geht nicht um mein Bauchgefühl. Sondern es gibt Gründe dafür, warum die Automatisierung von Teilen der Lokalnachrichten faktisch unausweichlich ist: Es sind technologische und marktwirtschaftliche.

Sicher dürfte sein: Im Jahr 2025 wird die Anzahl und Auflage gedruckter Lokalzeitungen deutlich niedriger liegen als heute. Der Informationsbedarf der Leute dagegen dürfte sich aber bis dahin nicht grundlegend verändern. Das bedeutet: Digitale Angebote für Lokalnachrichten werden die Nachfrage kompensieren. Die Frage ist nur: Wer liefert die Nachrichten?

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Warum das Lobbyradar so kaum zu gebrauchen ist

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Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommt der Datenjournalismus an. Das zeigt auch ein für Juli anberaumtes Treffen namens „ARD/ZDF Roundtable Datenjournalismus“.

Das ZDF hat jetzt mit einer Reihe von Unterstützern ein Lobbyradar herausgebracht. Es sieht eindrucksvoll aus. Und leider bleibt es dabei: Es ist eher ein Stück aus der Kategorie Data Porn und hat mit Journalismus nur bedingt zu tun.

Warum?

Generell ist Journalismus das Metier, das relevante von irrelevanten Informationen trennt. Genau das tut das Lobbyradar nicht. Es fehlt die analytische Schicht. Das Tool ist eigentlich nicht fertig. Es ist technisch beeindruckend gemacht und fusst auf einer umfassenden Datengrundlage. Doch fehlt die Möglichkeit, diese zu filtern. Also für Lobbyismus relevante Verbindungen von irrelevanten zu trennen. So bleibt die Visualisierung sehr unübersichtlich, weil sich keine Informationen ausblenden lassen.

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Datenjournalismus im März 2015

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Ein sehr schönes studentisches DDJ-Projekt: Airbnb vs. Berlin. Die Daten wurden über die API von Airbnb abgefragt. Sie zeigen unter anderem Standorte der Inserate, die beliebtesten Strassen, in denen Angebote gefunden werden können und die Preisverteilung (siehe Screenshot oben).

Es gibt eine lange Liste mit Präsentationen und Tutorials der weltweit größten DDJ-Konferenz #NICAR15, die im März in Atlanta (USA) stattfand (National Institute for Computer-Assisted Reporting).  Unter anderem sind diese 10 Tipps für Journalisten sehr interessant.

Christina Elmer hat bei der „Social Media Week Hamburg“ über das tagesaktuelle DDj-Geschäft und dessen Herausforderungen gesprochen. Es findet sich dieser Bericht darüber mit ein paar konkreten Beispielen.

Ein interaktives Diagramm über die Parteispenden im Jahr des Bundestagswahljahr 2013 hat die Welt herausgebracht. Achtung! Spoiler Alert: Großspender sind Versicherer und Unternehmen des Pharmasektors sowie die Rüstungsindustrie.

Gregor Aisch stellt das Tool Chartmaker vor, das er für die NYT gebaut hat. Er beschreibt, wie er auf die Erfahrungen aus seiner Arbeit für DataWrapper aufbaute und zeigt durchdachte Features sowie Details.

Mit DDJ Dach gibt es jetzt ein weiteren Anlauf für eine deutschsprachige Mailingliste rund um Datenjournalismus (es gab ab 2010 bereits eine Mailingliste, die aber eingeschlafen ist). Praktisch ist auch das dazugehörige Forum auf Basis der tollen freien Software Discourse.

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Warum ich vom neuen Webauftritt der Süddeutschen enttäuscht bin

Irritation. Das beschreibt wohl am besten, was ich nach zwei Tagen Nutzung des neuen Internetauftritts der Süddeutschen Zeitung empfinde. Betrachtet habe ich mir ihn auf dem Desktop und Smartphone inklusive des neuen Angebots SZplus. Mich irritiert die Inkonsistenz. Zwei Jahre, so wird stolz in einem Video berichtet, wurde an dem jetzt vorliegenden Produkt gewerkelt (seit ich dieses Bild gesehen habe, muss ich immer lachen, wenn Leute sich vor einen weißen Hintergrund in ein Studio setzen und dazu säuselnde Fahrstuhlmusik läuft).

Was stört mich:

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