Kategorie-Archiv: Interview

ARD & ZDF: Grundversorgung und Co.

Am Wochenende wurde im Deutschlandradio Kultur in der Sendung Breitband eine Stunde über die Zukunft der Aufgabe der Grundversorgung durch die Öffentlich-rechtlichen Sender debattiert: Philip Banse hatte Volker Grassmuck und Stefan Niggermeier zu Gast.

Im Bezug auf meinen Text über die Zeit nach ARD und ZDF war ich vorweg interviewt worden; zwei Ausschnitte daraus fanden in die Sendung eingang – hier das ganze Interview mit mir:

Aron Pilhofer: “Medien sind nicht datengetrieben”

Journalisten könnten durch die stärkere Nutzung von Zahlen viel gewinnen – und dennoch tun sie es nicht. Warum? Ein Interview.

Hintergrund: Teresa Bouza ist eine Stipendiatin der “Knight Journalism Fellowships” an der Stanford University und Journalistin. Sie hat vor seinem Vortrag bei der “Investigative Reporters and Editors Conference” (IRE) 2012  in St. Louis, ein Interview mit Aron Pilhofer geführt. Pilhofer, der unter anderem Vorstandsmitglied der IRE ist, leitet bei der New York Times ein Team aus Journalisten und Programmierern, die daten-getriebene Applikationen entwickeln. Ziel ist die Verbesserung des Online-Informationsangebots der “New York Times.”. (Originalartikel vom 23.02.2012 - Übersetzung: Mirko Lorenz )

Der Begriff “data-driven journalism” ist plötzlich sehr populär geworden. Gleichzeitig verfügen viele Journalisten nur über geringe Kenntnisse bei der Auswertung von Daten, so Aron Pilhofer. Doch das Know-how ist keine Raketenwissenschaft, so Pilhofer und betont dass es für Reporter “lebenswichtig” ist, in diesem Bereich grundlegende Kenntnisse zu erwerben.

Nach seiner Meinung ist es nach wie vor sehr schwierig, Journalisten zu einem Umdenken zu bewegen und Daten als Quelle eines Beitrags zu sehen, ebenso wie die Fähigkeit, verschiedene Formen und Blickwinkel bei der Berichterstattung zu nutzen.
Doch die wirkliche Barriere für daten-basierte Beiträge liegt noch in einem anderen Bereich: Auf den Führungsetagen werde die Bedeutung des Datenjournalismus bisher nur teilweise verstanden, sagt er.

Die Fähigkeit, aus Daten Geschichten zu machen, sei eine “unterbewertete Fähigkeit”. Daher geht es nicht nur darum “wie wichtig dieses Feld für den einzelnen Journalisten ist”, sondern auch “für wie wertvoll der Chef und der Chef des Chefs dieses Know-how halten”, so Pilhofer.

INTERVIEW

Frage: Angesichts der Werkzeuge, die wir heute haben, worin liegt die große Herausforderung für Journalisten beim Umgang mit Daten?

Pilhofer: Für mich ist das keine Frage der Werkzeuge. Wir haben mehr Rechenleistung, mehr Möglichkeiten Dinge zu tun als jemals zuvor. Mit Amazon EC2 (einer Cloud-Computing Plattform), kann man mi Prinzip an einem Nachmittag einen Super-Computer laufen lassen, wenn man das möchte und zahlt dafür 100 Dollar oder einen ähnlichen Betrag, wenn man zum Beispiel sehr große Datenmengen analysieren möchte. Es ist kein Technologie-Problem, es ist ein Menschen-Problem.” Weiterlesen

Interview: Datenjournalismus und demokratische Öffentlichkeit

Unlängst habe ich der neuen Diskursplattform des Deutschlandfunk ein Interview gegeben:

[...] Inwieweit spielt Datenjournalismus mit Blick auf Öffentlichkeit und Demokratie eine Rolle? 

Datenjournalismus wird in einigen Jahren kein Aufsehen mehr erregen. Weil er selbstverständliche Methode und alltägliches Werkzeug der Berichterstattung sein wird. Es gibt jetzt schon enorme Datenmengen in den Verwaltungen und der Politik – Akten und Statistiken zum Beispiel. Und es wird exponentiell mehr geben, weil immer mehr digitale Geräte Einsatz finden und mehr und mehr Sensoren aktiv Daten sammeln.

Es ist Aufgabe von Journalisten auch hier ihrer Berichterstattungspflicht und Watchdogfunktion gerecht zu werden. Insofern ist es essentiell wichtig für eine immer digitaler kommunizierende Gesellschaft, dass Journalisten und Medienhäuser sich mit Daten befassen. Das Internet bietet die perfekte Infrastruktur dafür, datenbankgestützt zu berichten. Dafür notwendige Technologien und Herangehensweisen gilt es zu erlernen und zu entwickeln, aber auch angebrachte Erzählformen dafür zu finden. [...]

Das gesamte Interview lesen.

13 Open Data Interviews

Bis August diesen Jahres (2011) habe ich zehn Monate lang am Stück das Open Data Blog auf zeit.de geschrieben.

Hier veröffentliche ich nun die meisten Interviews, die ich für dieses Blog geführt habe, unter einer Creative Commons-Lizenz (CC-by). Erschienen sind sie zwischen Oktober 2010 und September 2011 (zum Abschluss hat mein Nachfolger Markus Heidmeier ein Interview mit mir geführt). Die 13 Interviews werden im Folgenden chronologisch zurückgehend vom aktuellsten zum ältesten hin aufgelistet (Update 11.01.2012):

Weiterlesen

NDR Medienmagazin ZAPP – Datenjournalismus Interviews

Gestern, am 16.11.2011, lief beim NDR Medienmagazin ZAPP der Beitrag “Neue Recherchewege – Datenjournalismus”.

Hier die Langfassung der Videos, die ausschnittsweise im Film oben zu sehen sind; es gibt alternativ auch nur die Audiospur als mp3-Datei, für diejenigen, die nicht an den Talking Heads interessiert sind. Videos und Audiofiles sind vom NDR unter einer CC-Lizenz unter den Bedingungen Namensnennung, nicht-kommerziell und nicht-abwandeln (by:nc:nd) freigegeben.

Weiterlesen

Adrian Pohl: Offene Bibliotheksdaten

Adrian Pohl arbeitet seit 2008 im Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz). Seit Juni 2010 ist er Koordinator der Arbeitsgruppe der Open Knowledge Foundation zu Open Bibliographic Data. Im Interview berichtet Pohl über die Zusammenarbeit mit anderen Aktiven aus Wissenschaft und Bibliothekswelt. Ihr Ziel: der Aufbau einer Infrastruktur für offene bibliographische Daten.

Herr Pohl, worum geht es bei Open Bibliographic Data (OBD)?

Adrian Pohl: Wir orientieren uns an der Open-Access-Bewegung. Deren Idee wird bereits weitgehend in der Bibliothekswelt unterstützt: Ergebnisse öffentlich finanzierter Wissenschaft sollen auch jedem öffentlich zugänglich sein. Bibliotheken sind ebenfalls meist aus öffentlichen Geldern finanziert. Deshalb sollten die von ihnen produzierten Daten auch offen zugänglich und wiederverwendbar sein. Mit den “Prinzipen zu offenen bibliographischen Daten” haben wir in der Open Knowledge Foundation klare Anforderungen für die Freigabe solcher Daten formuliert, insbesondere im Hinblick auf die Wahl der Lizenz. Bibliotheksdaten können vielen von Nutzen sein.

Wofür zum Beispiel?

Pohl: Sammlungen bibliographischer Daten können als eine Landkarte verstanden werden, die uns Orientierung gibt in der Landschaft unserer literarischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Erzeugnisse.

So können die Daten etwa in der Forschung genutzt werden. Für Historiker beispielsweise könnte die Frage interessant sein, in welchem Jahrhundert zu bestimmten Zeiten wo wichtige Publikationsorte waren. Mit automatisierten Abfragen offener Daten aus Bibliothekskatalogen ließe sich zügig eine Übersicht über die meistgenutzten Publikationsstandorte erstellen. Das ginge weit über das hinaus, was mit normalen Rechercheoptionen möglich ist.

Ein anderes Beispiel: Bibliotheksdaten werden bereits für Anwendungen genutzt, die den urheberrechtlichen Status eines Werkes berechnen, ob es geschützt oder gemeinfrei ist. Mehr freie Daten könnten diese Dienste enorm verbessern. Es lassen sich unzählige weitere Anwendungen denken.

Weiterlesen

Claudia Schwegmann – OpenAid: Open Data in der Entwicklungszusammenarbeit

Claudia Schwegmann founder openaid germany

Claudia Schwegmann hat 2009 die Organisation OpenAid gegründet. Selbst hat sie einige Jahre in der Entwicklungzusammenarbeit gearbeitet. Im Interview erklärt sie die Hintergründe zu der Konferenz Open Aid Data Ende September in Berlin.

Frau Schwegmann, warum haben Sie Open Aid gegründet?

Claudia Schwegmann: In meiner Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) habe ich mich zuletzt mit der Wirkung von Entwicklungsprojekten befasst. Eine wichtige Voraussetzung für Wirkung ist Feedback. Die Empfänger der Hilfe müssen Rückmeldung über die Qualität der EZ geben können. Das ist nur möglich, wenn sie zu einem gewissen Grad die Prozesse und Planung kennen. Der Mangel an Informationen in der EZ war letztlich ausschlaggebend dafür OpenAid zu gründen. Später bin ich dann auf die 2008 gegründete “International Aid Transparency Initiative” IATI gestoßen, mit der OpenAid sich jetzt schwerpunktmäßig befasst.

Worum geht es bei IATI genau?

Schwegmann: Dieses Frühjahr wurden die IATI-Kriterien für einen Standard für Daten zu Entwicklungsvorhaben schließlich festgeschrieben. In einem maschinenlesbarem Format, als Open Data, sollen fünf grundlegende Informationen über Entwicklungsvorhaben gespeichert werden: Wer ist beteiligt? Worum geht es? Was soll bis wann erreicht werden? Wie lassen sich die Vorhaben einordnen und was sind die finanziellen Details?

Weiterlesen

Stefan Wehrmeyer – Open Data und Nahverkehr

Stefan Wehrmeyer über Nahverkehrsdaten,
Berliner Gazette (Creative Commons | sa | by | nc)

Stefan Wehrmeyer studiert in Potsdam am Institut für Softwaresystemtechnik. Sein Projekt Mapnificent stellt Fahrpläne zahlreicher Städte weltweit dynamisch auf einer Karte dar; vor kurzem appellierte er an die Berliner und Brandenburger Nahverkehrsbetriebe, ihre Fahrplandaten zu öffnen. In der Simulation TransitPulse gibt Wehrmeyer einen Ausblick darauf, was mit solchen Informationen möglich wäre.

Herr Wehrmeyer, Sie versuchen seit einiger Zeit, Verkehrsunternehmen zu bewegen, ihre Fahrpläne über offene Schnittstellen anzubieten. Wie ist die Resonanz?

Stefan Wehrmeyer: Die Resonanz derjenigen, die am Nahverkehr interessiert sind, war sehr positiv. Die Forderung nach offenen Fahrplandaten leuchtet den meisten ein. Nur die Verkehrsunternehmen selbst reagieren eher reserviert.

Speziell in Berlin scheint es Probleme zu geben. Worum geht es dabei?

Wehrmeyer: Der Verkehrsbund Berlin Brandenburg (VBB) reagierte auf den Appell mit Unverständnis: die Daten seien doch da, man müsse nur fragen. Allerdings gab es keinen Bereich auf der Website der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) oder des VBB, der überhaupt die Herausgabe von Daten an Entwickler erörtert. Der VBB hat nun eine Seite für Entwickler angelegt und das ist ein guter erster Schritt. Die dort veröffentlichten Bedingungen schränken aber leider die Nutzung sehr ein.

Was stört Sie an den Nutzungsbedingungen?

Wehrmeyer: Mich stört einiges. Zum Beispiel, dass die Daten nicht unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. Auch die Verknüpfung mit anderen Daten, ein sogenanntes Mashup, muss explizit erlaubt werden. Die Erhebung statistischer Daten zur Qualität des Nahverkehrsangebots ist gleich ganz verboten. Außerdem ist in den Bedingungen die Rede von Geheimhaltung, von Wirtschaftsprüfung und von Prüfung von Sicherheitssystemen. Da hat es die Rechtsabteilung definitiv zu gut gemeint. Durch solche Bedingungen steigt die Hürde enorm, etwas mit den Daten zu erstellen. Auf Nachfrage beteuerte der VBB, alles nicht so strikt zu meinen, aber leider lesen sich die Nutzungsbedingungen wie ein Knebelvertrag.

Weiterlesen

Ton Zijlstra: Open Data in der EU

ton zijlstra

Ton Zijlstra leitet seit März das Team rund um die ePSI-Plattform. Die Abkürzung steht für “European Public Sector Information”. Finanziert wird das Vorhaben von der Europäischen Kommission. Seit 2005 gilt in der EU die PSI-Directive, die eine “Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors” regelt. In Deutschland schlägt sie sich im Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG) nieder.

Im Interview spricht Zijlstra, ein selbständiger Unternehmer und Berater aus den Niederlanden, über die europäische Dimension offener Daten und die anstehende Reform der PSI-Gesetzgebung.

Herr Zijlstra, was ist die Aufgabe der ePSI-Plattform?

Ton Zijlstra: Sie ist in der EU die erste Anlaufstelle für alle Neuigkeiten, wenn es um öffentliche Informationen und offene Daten geht. Die Kommission will mit dieser Plattform zeigen, was europaweit in diesem Bereich alles geschieht. ePSI ist aber auch eine wichtige Informationsquelle für die Kommission selbst. Ich war ein paar Mal in Luxemburg bei Treffen, und dort kamen immer wieder Themen zur Sprache, die auf der Plattform zuvor behandelt wurden.

Was haben Sie mit ihr in den kommenden zwei Jahren vor?

Zijlstra: Bislang finden sich auf der Website nur Nachrichten und Berichte. Menschen findet man dort nicht. Wenn wir Open Data vorantreiben wollen, müssen wir auch Menschen miteinander verbinden, damit die sich zusammentun können. Wir wollen daher in der Zukunft viel häufiger aktiv andere Veranstaltungen besuchen und sie auch unterstützen. Vor allem in Mitgliedsstaaten, in denen noch nicht so viel passiert. Wenn es uns zum Beispiel möglich ist, einer Gruppe in Bulgarien mit etwas Geld bei der Umsetzung einer Veranstaltung zu helfen, dann tun wir das.

Ziel ist es, die Dynamik zu fördern, die derzeit herrscht. Open Data soll ein unumkehrbares Prinzip werden. Im Moment könnten alle Mitgliedsstaaten noch zurück.

Was meinen Sie damit?

Zijlstra: In den Niederlanden beispielsweise wurde wegen Wikileaks diskutiert, ob das Informationsfreiheitsgesetz nicht eingeschränkt werden sollte. Das zeigt, Regierungen könnten den bisherigen Kurs der Transparenz ändern, sie können die Daten wieder hinter Schloss und Riegel stecken.

Weiterlesen

Chris Taggart – OpenlyLocal & OpenCorporates

chris taggart

Chris Taggart begann vor zwei Jahren, das Projekt Openly Local aufzubauen. Es sammelt Gemeinderatsinformationen in Großbritannien. Die Hälfte aller knapp 400 Räte hat das Open-Data-Projekt mittlerweile erfasst. Im Interview erläutert der britische Journalist, wie diese Arbeit dazu führte, ein weiteres Vorhaben anzugehen, eins namens OpenCorporates.

Worum geht es bei Openly Local?

Chris Taggart: Auf vielen britischen Gemeinderats-Websites fällt es schwer, sich zu orientieren. Manche sind komplett unzugänglich. Keine Spur von Barrierefreiheit. Oft werden sie von Suchmaschinen wie Google nicht erfasst, weil sie falsch aufgesetzt sind. Es gibt beispielsweise so gut wie keine Ratswebsite, die eine Liste aller Ratsmitglieder herausgibt oder eine Übersicht über die Ratssitzungen.

OpenlyLocal ist also ein Angebot, die Informationen zugänglich zu machen. Die Datensätze können von anderen Leuten weiterverarbeitet werden. Lokale Blogs, die über eine ganz spezifischen Ort, etwa einen Kiez oder ein Dorf berichten, nutzen Daten von OpenlyLocal.

Welche Informationen erhält man?

Taggart: Bei uns kann man beispielsweise eine Liste der kommenden Sitzungen abonnieren. Wir wissen sogar von Ratsmitgliedern, die unser Angebot nutzen, um die Tagesordnung zu bekommen. Weil die Website ihres eigenen Rats das nicht kann.

Ihnen geht es aber um mehr als eine reine Dienstleistung, oder?

Taggart: Mit OpenLocaly habe ich ein Fundament gelegt. Jetzt werden auch Bevölkerungsstatistiken eingebaut oder Informationen über das örtliche Polizeipersonal. Und was ganz wichtig ist: Es  werden nun auch Finanzinformationen eingelesen. Wir hatten in Großbritannien die umfassendste Veröffentlichung von Finanzdaten weltweit, was den lokalen Bereich angeht. Jeder Gemeinderat muss seit diesem Januar alle Ausgaben über 500 Pfund dokumentieren. Über dreihundert Räte veröffentlichen jetzt jeden Monat was sie ausgeben. OpenlyLocal dokumentiert derzeit Ausgaben in Höhe von insgesamt 40 Milliarden Euro in 1,8 Millionen Transaktionen. Weiterlesen