Trauerspiel Berichterstattung zu Griechenland

(Aus der Serie IT-Crowd; gefunden via @kilaulena)

Ich habe mir zum heutigen Wahltermin in Griechenland das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender mal angeguckt. Inspiriert dazu wurde ich von einem Text in der FAZ („Die Regie spielt falsch“) über die erbärmliche Programmplanung in ARD und ZDF für das als „Schicksalstag für den Euro“ bezeichnete Datum. Die ARD berichtet immerhin 50 min live aus Athen in seinem Weltspiegel. Und hat wohl schon vor Jahr und Tag sich darauf festgelegt, dass heutige Fußballspiel zu übertragen.

Um so mehr erstaunt es (nicht wirklich), dass das ZDF gerade einmal 10 Minuten in seinem Programm für ein ZDF special vorsieht. Das auch noch vor der ersten Hochrechnung liegt, die für etwa 19.30 Uhr erwartet wird. Ansonsten ist heute Kreuzfahrt angesagt: Traumschiff und „Kreuzfahrt ins Glück“ (Zahlen die Kreuzfahrtschifffahrtsunternehmen eigentlich für solchen Sendungen? Ist das nicht Product Placement? Schleichwerbung?).

Die Online-Nachrichtenseiten, die ja eigentlich mittlerweile für alles mögliche einen Live-Ticker einrichten, scheinen sich auch nicht für Griechenland zu interessieren. Weder SpOn, Süddeutsche.de noch Zeit-Online haben etwas zu bieten (Stand: 12 Uhr). Die Kräfte gehen wohl für die Live-Ticker zum Fußball drauf.

Update: (18.50 Uhr, 17.6.12): Mittlerweile bloggt Zeit-Online live; der österreichische Standard. Auch macht sich ZDF zumindest online bei „heute“ mehr mit dem Thema; auch der Twitteraccount @ReporterZDF ist in Athen unterwegs. Update Ende

Muss man halt auf den Guardian zurückgreifen, der verlässlich einen Live-Ticker bietet. Übrigens wird heute auch in Ägypten gewählt – dafür ist dann wohl BBC World zuständig bzw. Al Jazeraa.

Hier noch ein Ausschnitt des Programms der ÖR-Sender ab 18 Uhr:

ARD

18:30 Bericht aus Berlin
18:50 Lindenstraße
19:20 Weltspiegel – live aus Athen
20:00 Tagesschau
20:15 EM live etc.
23:30 Waldis Club
00:15 ttt – titel thesen temperamente

ZDF

18:00 ZDF:reportage – Warschau feiert Fußball – Die fröhliche Hauptstadt der EM
19:10 ZDF Special Entscheidung in Athen – Schicksalswahl für den Euro
19:20 Berlin direkt
19:35 Terra X – Der Dino-Planet – Kampf der Giganten
20:15 Das Traumschiff: Rio de Janeiro
21:50 Kreuzfahrt im Glück: Hochzeitsreise nach Arizona
23:20 heute-Journal
23:35 ZDF-History: Mysteriöse Kriminalfälle der Geschichte
00:20 heute
00:25 nachtstudio: Die deutsche Seele

Arte widmet sich heute Miss Marple..
Bei 3sat gibt es zweimal hintereinander Polizeiruf.
Phoenix glänzt mit WK2-Sendungen ( Der Tod in der Ostsee & die letzten Tage der Graf Spee) und fährt danach im Doppelpack Eisenbahn: Die USA in einem Zug.
ZDF info & neo bringen nur Wiederholungen und Serien.
Deutschlandfunk: Auch mehr oder minder Fehlanzeige.

 

11 Gedanken zu „Trauerspiel Berichterstattung zu Griechenland

  1. gregor

    Ach komm, dafür ist Caren Miosga aber extra nach Athen geflogen, um sich „am Fuße der Akropolis, wo einst die europäische Demokratie geboren wurde“ die Haare zerzauseln zu lassen und anschließend „live“ zum 3 Autominuten entfernten Griechenland-Experten Dahlheimer zu schalten. Wetter soll ja auch ganz schön sein, gerade..

    Antworten
  2. Pingback: Splitter 17.06.2012 « … Kaffee bei mir?

  3. Henning

    Was ist daran schlimm? Eigentlich ist die Situation in Griechenland hinlänglich bekannt. Was soll also ein Spezial oder so?
    Um die Wahlergebnisse mitzuteilen, reicht ja nun wahrlich ein Laufband in der aktuellen Sendung. Ich meine, ich hätte beim Deutschland-Spiel so etwas gesehen.

    Antworten
    1. Lorenz Matzat

      In der Logik würde es auch reichen, einfach die Spielergebnisse der jeweiligen Fussballspiele der EM zu berichten. Die Spielregeln sind ja bekannt.

      Antworten
      1. Sebastian Stauch

        Schon mitbekommen, wieviele Menschen zB das Spiel NL-D gesehen haben? Solche Dinge interessieren halt das Volk. Große Erörterungen zum Wahlergebnis konnte man eh nicht erwarten, da die Regierungsbildung (oder -nichtbildung) noch ein wenig dauern wird. Sterben wird der Euro eh nicht in Athen, sondern in Madrid und Rom.

        Antworten
  4. Moxy

    The Guardian also…
    Ich war auf den Liveticker der Tiroler Tageszeitung (sic!) gestossen!
    Positive Überraschung, da – so ich’s vergelichen konnte – besser als meine sonstigen Verdächtigen…

    Antworten
  5. Rumo

    Wobei das ZDF es immerhin noch geschafft hat ein zusätzliches ~10-minütiges heute-Journal einzuschieben. Nur ist man beim ZDF auf den Gedanken offenbar erst am Sonntagabend gekommen, sodass man davon nur erfahren hat, wenn man grad zufällig zum richtigen Zeitpunkt auf heute.de unterwegs war…

    Antworten
  6. Paul

    Dieser Artikel kommentiert sich mit seiner Überschrift selbst: Trauerspiel. Ich hatte hier wenigstens den Ansatz! einer fundierten Analyse zu finden gehofft. An Stelle dessen Schaumschlägerei.

    Antworten
  7. Klemperer

    Absurd an dem Wahlabend (lustig im nachhinein wirkt auch die Wahlwerbung aus der Financial times in griechischer Sprache, alles würde gut, wenn die Konservativen gewännen, alles grauenhaft, wenn Syriza gewinnen würde) fand ich nur, wie Caren Miosga in den „Tagesthemen aus Athen“ dann redete. Aus der „Jungen Welt“ vom 20.6.2012, Autor ist Otto Köhler:
    Um 21.35 Uhr stand Caren Miosga für die ARD am »Fuße der Akropolis, wo einst die Demokratie geboren wurde«, und zeigte sich froh: »Das Ergebnis könnte für Resteuropa eine große Erleichterung bedeuten« Sie befragte die Wähler. Ein Grieche war mit der Wahl zufrieden. Er sagte: »Wir werden brave Bürger sein und nicht Zigeuner.«

    Es dauerte keine 2 Wochen, da war – trotz erwünschten Wahlausgangs – alles wieder schlecht. Erst langsam, langsam, ergänzen die Medien die Berichte der letzten Jahre um einige kleine Details… Und geben damit leise, leise zu, daß das schwarz-weiß, das wir bisher hörten, nicht stimmt, und die „Spar“politik der Troika, die Caren Miosga so wunderbar findet, zwar Millionen wirklich arm gemacht hat, aber nicht ein einziges Problem gelöst hat. Wie von Anfang an auch klar war… Aber darum geht es Medien nicht immer, und nicht unbedingt. Da hat man lieber die Faulen auf der einen Seite, und die Guten – na, die sind „wir“, hurra.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *