Die Vermessung des TV-Programms

Das „TV Meter“ – ein nicht realisiertes Datenjournalismusprojekt aus meiner Schublade

Gefühlt besteht das Angebot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus Quizshows, Krimis, Sport und Schlagersendungen plus etwas Nachrichten, Politiksendungen sowie Talkshows.

Derlei Gefühle ließe sich recht einfach mit Zahlen unterfüttern: Das Fernsehprogramm kommt seit eh und je in Tabellenform daher. Vor allem die ARD macht es einfach, ihr Programm auszulesen:

http://programm.ard.de/TV/Programm/Sender?datum=09.01.2018&hour=0&sender=28106

Unter dieser URL findet sich das Programm der ARD für einen Tag. Die Struktur der URL macht deutlich, dass es simpel sein dürfte, zurückliegende Tage bzw. zukünftige aufzurufen. Offenbar scheint das komplette Programm über den Parameter „datum“ seit 2011 und 40 Tage im Voraus abrufbar zu sein.

Auch deutet der Parameter „sender“ in der URL an, dass sich andere Sender abrufen lassen: Neben allen 3. Programmen finden sich auch die Programme von Phoenix, arte, Kika, One, ARD-alpha und tagesschau24.

Jede Sendung bringt diverse zusätzliche Informationen mit. Neben Produktionsjahr und Beginn findet sich eine Kategorisierung – der Tatort etwa ist in „Film“, „Fernsehfilm“ und „Krimi“ eingeordnet, was im Abschnitt „Ähnliche Sendungen“ steht (die Kategorien gibt es ab dem Jahr 2014). Solch ähnliche Sendungen, auch von anderen Sendern aus dem Senderverbund, sind dann einzelned per Link aufrufbar; jede Sendungen hat eine eigene ID, z.B. http://programm.ard.de/?sendung=28205425650933. Ggf. findet sich den Details zu der Sendung in tabellarischer Form die Besetzungsliste inkl. Regie, Kamera, Buch und Musik; Schauspieler haben eine eigene Profilseite, z.B. http://programm.ard.de/Programm/Starguide?detailsuche=1&mitwirkende=Meret+Becker

Leider kein Open Data

Sprich: Die ARD nutzt eine gut strukturierte Datenbank, die hinter ihrem Programmdarstellung im Web liegt; es wäre ein leichtes für die Fernsehanstalt, diese offen zugänglich und dokumentiert als API (Schnittstelle) anzubieten. Warum solch Open Data weiterhin nicht zum Grundprinzip der von der Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender gehört, ist blamabel.

So oder so: Die Struktur des Webangebots der ARD macht es verhältnismäßig einfach, die Datenbank systematisch auszulesen (zu scrapen). Neben den tatsächlichen Anteilen von Sport, Krimis usw. am Programm – auch im Vergleich zu den vergangen Jahren – ließe sich auf für Schauspieler und Moderatoren Daten erheben. 

Möglich wäre zu messen, wieviel des Programms aus Eigenproduktionen und wieviel es aus Wiederholungen besteht. Weiter ließen sich diese Daten mit den Einschaltquoten (die ARD veröffentlicht die im Detail für den Vortag) sowie mit den Kosten pro Sendeminute (soweit bekannt, siehe hier, hier und die KEF-Berichte) verbinden.

Das ZDF bietet sein Programm (inkl. Info & Neo sowie Partnersender) in einer Tabelle – horizontal zum Scrollen – unterhalb des Live-Streams an. Ein Blick in den HTML-Quelltext zeigt, dass die Programmdaten auch hier klar strukturiert sind und somit einfach scrapebar. Allerdings scheinen die Sendungen nicht so gut mit Schlagworten versehen und die Details zum Teil dürftiger zu sein. Die ZDF-Einschaltquoten lassen sich im Detail über die Marktanteil-Tafeln im „Teletext“ abrufen.

EPG (Electronic Programme Guide)

Eine andere mögliche Datenquelle ist der EPG (Electronic Programme Guide). Diese Datenbank befeuert bspw. die Programmansicht, die direkt in neueren TVs eingeblendet werden kann. Unter epgdata.com lässt sich der Zugang zur EPG-Datenbank im XML-Format für ein Jahr für 18 Euro erwerben. Sie enthält auch die Daten vieler Privatsender, auch aus anderen Ländern (insgesamt knapp 190 Sender). Anbieter der Daten ist „Hörzu“; die Details und Struktur der EPG-Daten lässt sich auch im Web betrachten.

Mit solch Daten zum TV-Programm ließe sich fortlaufend über das Fernsehprogramm auf andere Weise berichten; es ließe sich der „Puls“ messen und in angebrachter Weise visualisieren. Die NoBilllag-Iniative in der Schweiz zeigt, unter welchen Rechtfertigungsdruck Öffentlich-Rechtliche o.ä. Einrichtungen geraten können. Eine faktenbasierte Berichterstattung jenseits einer gefühlten Wahrnehmung über die Struktur des Programms von ARD und ZDF dürfte dem Diskurs generell gut tun.

Dieses Konzept schlummerte seit 2013 in meiner „Schublade“. Falls jemand solch ein TV-Meter umsetzen will, würde ich mich freuen. Gerne stehe ich für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

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