Tutorial: Grenzen, Gebiete und Daten mit Fusion Tables kartieren

Bevölkerungsdichte in Schleswig Holstein nach Landkreisen (Quelle: Stat. Bundesamt)

Die oben stehende interaktive Karte mit Google Fusion Tables zu erzeugen, ist nicht schwer. Wer noch nie mit Fusion Tables (FT) gearbeitet hat, der lese sich bitte aber zuerst das Tutorial zum automatisierten Eintragen von Adressen auf eine Karten mit FT hier im Blog durch, um einige grundsätzlichen Sachen zu erfahren.

Neben Markern kann das Tool auch Gebiete sowie Grenzen darstellen und diese abhängigen von Werten einfärben. Dafür braucht es erst einmal die Gebiete, etwa Bundesländergrenzen als KML-Dateien (Keyhole Markup Language – aus dem virtuellen Globus „Keyhole“ wurde 2004 Google Earth).

Beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie gibt es ein Geodatenzentrum (Geodäsie = Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche). Die Kreisgrenzen (und Staatsgebiet, Bundesländer sowie Regierungsbezirke der BRD) finden sich dort zum Download. Zur Nutzung heißt es: „Die nachfolgenden Daten dürfen für private und firmeninterne Zwecke entgeltfrei genutzt werden. Darüber hinaus sind Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung mit nachfolgender Quellenangabe ohne Einschränkungen gestattet, sofern sie unentgeltlich erfolgen.

Kreisgrenzen Dtl. - Ausschnitt (Quelle: Bundesamt f. Kartographie & Geodäsie)

In diesem Fall gilt das Interesse der Dateien in dem Format „ArcInfo-SHAPE“ – welches Projektionsverfahren (GEO86, UTM, GK) gewählt wird, ist für das Bsp. oben wenig relevant – das Geodatenzentrum hat hier eine Übersicht zu den Formaten zusammengestellt. Ein Satz noch zu ArcInfo: Es handelt sich dabei faktisch um den Instustriestandard beim Einsatz von Geoinformationssystemen (GIS).

Dateien in KML-Format können gleich in FT hochgeladen werden. In diesem Beispliel liegen aber nun shp-. bzw. ArcInfo-Dateien vor. Praktischerweise kann in diesem Fall auf ein Webtool zurückgegriffen werden: Shpescape.com erlaubt zip-Ordner (wie sie beim Geodatenzentrum vorliegen), zu FT hochzuladen. Dafür muss dem Programme einmal der Zugriff auf FT erlaubt werden. Also vorher ggf. bei Google einloggen; wer noch nie mit FT gearbeitet hat, muss sich dort noch extra anmelden (übrigens tritt bei der allerersten Nutzung von FT meist eine Fehlermeldung auf – nach Neuladen der Website ist das Problem i.d.R. behoben).

Das Hochladen der zip-Datei mittels Shpescape kann eine Weile dauern – die Seite lädt sich regelmässig neu, gibt Statusmeldungen und liefert dann nach Fertigstellung jeweils einen Link mit der ID-Nummer einer FT-Datei: „Fusion Table xxxxxxx“. In diesem Fall werden vier Karten erzeugt (Bund, Länder, Regierungbezirke, Kreise). Uns interessiert aber vor allem die Datei vg2500__geo84_vg2500_krs.shp (sie ist nun eine eigene Dateien, die man bei Google Docs (Text&Tabellen) führt).

In FT lässt sich jetzt einfach per Klick oben im Menü „Visualize“ auf „Map“ eine Karte von allen Kreisen in Deutschland erzeugen.

Nun lässt sich mit diesen Kreisgrenzen aber noch einiges anstellen. In der Kartendarstellung bei FT kann unter dem Menüpunkt „configure styles“ am Rand oberhalb der Karte das Verhalten für die Einfärbung der Kreise bestimmt werden. Etwa lässt sich unter „Polygons“ für „fill colors“ definieren, dass die einzelne Gebiete abhängig von dem Wert einer bestimmten Tabellenspalte mit einem Gradient versehen werden (im Bsp. oben ist es die Spalte mit den Zahlen zu „Einwohner pro km2“). Die „border color“ und „border width“ lassen sich ebenfalls von Werten abhängig machen oder fix definieren.

Für die Karte ganz oben habe ich mir beim Statistischen Bundesamt vom
Gemeindeverzeichnis-Informationssystem (GV-ISys) die Datei „Kreisfreie Städte und Landkreise nach Fläche und Bevölkerung“ (xls-Datei) heruntergeladen. Die kann dann wieder nach zu Google Docs importiert werden. Mich interessieren hier nur die Daten zu Schleswig Holstein. Die kopiere ich per Copy & Paste in eine neue leere Google Docs-Tabelle. Nun muss ich mir die Namen der Kreise genau anschauen. Die sind nämlich in der Datei des Statistischen Bundesamts anders als in der Datei vom Geodatenzentrum. Die Kreisnamen müssen exakt übereinstimmen, damit ich die Daten zusammenführen kann.

Habe ich die Anpassung erledigt, mache ich aus der Tabelle zu den Statistischen Daten der Landkreise in Schleswig-Holstein nun eine FT-Tabelle. Dafür wähle ich in der Übersichtsseite von Google Docs die Option erstellen (orange-roter Button) die Option „Tabelle (Beta)“ – die Benennung ist im Deutschen unglücklich, weil es leicht mit einer normalen „Tabelle“ verwechselt werden kann.

Nun lade ich bei FT aus meinen eigenen „Spreadsheets“ die Datei mit den Daten zu Schleswig-Holstein. Und wähle „Merge“ (zusammenführen) oben im Menü. Hier kann ich jetzt oben rechts in meinen bestehenden FT-Dateien suchen („2. Merge with“). Als nächstes muss ich bestimmen, welche Spalte in den beiden Dateien abzugleichen sind, zu „matchen“ (deswegen müssen die Inhalte der beiden Spalten wirklich exakt übereinstimmen). Schließlich gilt es, noch eine Namen für die neu zu erzeugende FT-Datei zu vergeben: „Save as a new table named as“ und schließlich klicke ich unten „Merge tables“. (Das eine neue Datei erzeugt wird ist praktisch, weil dadurch die Kreisgrenzen-Datei unberührt bleibt und immer wieder verwendet werden kann – allerdings können sich Verwaltungsgrenzen ab und zu ändern; darauf sollte geachtet werden.)

Wenn alles geklappt hat habe ich nun eine Datei mit den Kreisgrenzen und demographischen Daten zu Schleswig-Holstein. (Bei FT muss ich mich in der Tabellenansicht mit Pfeil-Schaltflächen durch die Spaten einer Datei navigieren, oben rechs. Auch werden immer nur max. 100 Zeilen angezeigt; durch die lässt sich ebenfalls oben rechts navigieren). Menüpunkt: Visualize -> Map

Schließlich sollte noch unter „Conifgure info window“ (findet sich gleich oberhalb der Karte als Menüpunk) die Anzeige der Inhalte der Infofenster für die einzelnen Landkreise noch bearbeitet werden. Habe ich die dann nach meinen Wünschen eingefärbte Karte fertig, lässt sich ein Einbettungs-Code erhalten – oben über der Karte in FT auf „Get embedable code“ klicken. Der wird nur wählbar, wenn die Karte per Menüpunkt „share“ oben rechts freigegeben wurde. Dort muss zumindest die Sichtbarkeit („Visibility option“) auf „unlisted“ gesetzt werden. In dem Codeschnipsel lassen sich dann noch per Breite (width) und Höhe (height) der Karte ändern. Mit Copy & Paste wird der Schnipsel im HTLM-Modus des jeweiligen Blog- oder Content-Managment-System meiner Wahl eingefügt.

14 Gedanken zu „Tutorial: Grenzen, Gebiete und Daten mit Fusion Tables kartieren

  1. Andreas

    Sehr schönes Tutorial.

    Ich habe immer das Problem, dass ich die selbsterstelle Google-Spreadsheet-Tabelle mit den Werten nicht als Fusion-Tabelle importieren kann (Fehler 500). Scheint öfter bei Leuten vorzukommen. Exportiert man die Tabelle erstmal als Excel auf den eigenen Rechner, dann kann man sie so aber doch wieder importieren.

    Unklar ist mir:
    Wie und wo darf ich die fertigen Karten eigentlich nutzen?

    Zum einen sind ja das die Geodaten des Bundesamtes für Kartographie drin, zum anderen Google. Solche Nutzungsbedingungen sind ja manchmal mit ein paar Fallstricken versehen.

    Darf man eine so erstelle Karte auf den Webseiten einer Zeitung publizieren? Wenn ja, nur wenn sie unentgeltlich ist und nicht von einer Paywall geschützt?

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  2. Stefan

    Hallo,

    vielleicht kann mir hier jemand helfen. Ich muss für eine Arbeit an der Uni eine kleine Karte erstellen.
    Ich will lediglich die deutschen Bundesländer in zwei verschiedenen Farben darstellen (idealerweise rot und grün, es gehen aber auch andere Farben).
    Wie ist das bei Fusion Tables möglich? Ich habe es einfach nicht rausfinden können. Dafür muss ich doch keine Daten einladen?
    Ich will quasi einfach selbst sagen: NRW grün, Bayern rot, Hessen rot, etc. etc. und das dann auf einer Karte dargestellt bekommen (am besten mit Legende, was rot und was grün bedeutet).
    Kann mir da jemand weiter helfen?
    Danke 🙂

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  5. Tom Müller

    Hallo,
    vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Eine Frage habe ich. Wie kann ich es erreichen, dass nicht sämtliche Kreise auf meiner Karte gezeigt werden, sondern nur, wie bei Ihnen, die für SH. Ich kann bei GFT leider immer nur einzelne Datensätze löschen, aber nicht mehrere zugleich. Da vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie ca 405 Kreise kommen, müsste ich ganz schön oft auf Löschen klicken um meine zB 50 gewünschten Kreise darstellen zu können.

    Wie haben Sie es gemacht?

    Würde mich über eine Antwort sehr freuen

    Antworten
  6. Boris

    Danke für die gute Beschreibung. Sehr cool.

    Kennt ihr eine Organisation, die weitere Regionen im KML-Format anbietet? Beispielsweise Regionen in Österreich. Sicherlich ist es auch möglich, die Grenzen selbst durch Angabe der Koordinaten zu ziehen. Aber ich muss zugeben, dass ich die Logik dahinter noch nicht ganz verstanden habe (wo fängt das „Muster“ an und welche Spalten sind neben „geometry“ für die Formen verantwortlich?). In jedem Fall ist es sehr mühsam.

    Daher bin ich für jeden Rat dankbar.

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  7. Rainer V

    Vielen Dank für diese Anleitung. Es hat – wenn auch nicht auf Anhieb – alles soweit geklappt. Toll, das Ihr solch eine hilfreiche Sache zusammenstellt und veröffentlicht.

    Ein Problem habe ich allerdings noch nicht lösen können. Wenn die die Datei mit den shapes der Kreise mit meiner (zur FT-tabelle gewandelten) Excel Tabelle (16 Zeilen) merge, dann habe ich immer noch alle 432 Zeilen 🙁 Es sind 2 Spalten hinzugekommen.

    Wie bekomme ich aus der zusammengefügten Tabelle eine Tabelle, die nur die Zeilen enthält, die brauche (wie in Eurem Fall die aus SH)?

    Aus zusammengefügten Tabellen kann man auch keine Zeilen löschen 🙁

    Gruß

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