Hier werden die umkämpften Paragraphen visuell dargestellt..

Lobbyplag sagt Danke – Analyse und weitere Schritte

Wir haben unser Crowdfunding-Ziel erreicht – vielen Dank an 242 Unterstützer. Derzeit liegen wir bei 7669 Euro und es ist noch ein Tag Zeit, das Projekt weiter zu unterstützen.

Zeit als kritischer Faktor

Ursprünglich war unser Plan, Lobbyplag als “Freizeitprojekt” weiterzuentwickeln – mit dem riesigen Medienecho ist aber ein Erwartungsdruck entstanden, dem wir so nicht hätten gerecht werden können. Um das Medienecho nutzen zu können, waren wir auf eine schnelle Lösung angewiesen – und hier zeigte sich, dass kickstarter, startnext und andere Services einen riesigen Nachteil hatten: Um dort ein Projekt einzupflegen, braucht man einige Tage Vorlauf – Sebastian von Krautreporter hingegen ermöglichte uns, noch am Tag unserer Anfrage zu starten. Wir haben uns gegen ein aufwändiges Video und ausgefallene Prämien entschieden – dafür gab es einige kritische Einzelstimmen, mehrheitlich scheint aber die Unterstützung der “Sache” die primäre Motivation gewesen zu sein.

Spendeneinnahmen für lobbyplag über die Zeit

Spendeneinnahmen für lobbyplag über die Zeit

Ganz wesentlich war meiner Meinung nach die fortlaufende Begleitung mit neuen Geschichten – zuerst der Start der Plattform, dann im zweiten Schritt die Analyse der NGO-Lobbyarbeit, um auch zu zeigen, dass ein ausschließlicher Vergleich der Fundstellen kein Kriterium für gutes oder schlechtes Arbeiten als Abgeordneter ist. Im dritten Update haben wir mit Bertelsmann eine konkret fassbare Geschichte gefunden – die sich auch eindeutig im Spendenverhalten widerspiegelt.

Analyse des Crowdfundings

Julian Heck hat vor ein paar Tagen über sein gescheitertes Funding-Projekt für ein gedrucktes Magazin geschrieben. Einer unserer Erfolgsfaktoren von Lobbyplag war im Vergleich dazu ganz eindeutig, dass wir in Vorleistung getreten sind und kontinuierlich Ergebnisse vorweisen konnten.

Spenden-Analyse
Im Schnitt spendete jeder User 32 Euro – die Spanne geht von 5 – 1000 Euro für die Einzelspenden. 64 Spenden zwischen 50 und 1000 Euro sind bei uns eingegangen, davon 46 Menschen, die exakt 50 Euro gegeben haben. Häufungen bei den Spenden gab es bei 5 Euro (61 Spenden), 10 Euro (41 Spenden), sowie 25 – 30 Euro (41 Spenden) – ich persönlich hätte gedacht, dass es mehr Kleinstspenden geben würde, bin aber von der Verteilung angenehm überrascht.

Die Spender kommen zum allergrößten Teil aus Deutschland – nur 6 Spenden kommen aus dem Ausland, davon 4 aus dem deutschsprachigen Bereich (fairerweise: nicht alle Spender haben Adressen angegeben).

Der Großteil der Spenden kam per Paypal (213), nur 23 Spenden per Überweisung – und eine über MoIP (was auch immer das ist ;-).

Bilanz – was am Ende übrig bleibt

Wir haben jetzt eine Summe von knapp 8000 Euro zusammenbekommen.  Rund 10 Prozent der Summe gehen für die Administration bei Krautreporter drauf – 5% für die Nutzung der Plattform, dazu noch die Paypal-Kosten (1,9% der Spendensumme plus 35 Cent). Krautreporter als Plattform hat für uns erstklassig funktioniert, Sebastian Esser und sein Team haben uns einen extrem schnellen und unbürokratischen Start des Fundings ermöglicht, extrem schnell auf Fragen reagiert – auch in diese Richtung: DANKE!

Wir müssen diese Einnahmen natürlich versteuern – und natürlich ist es im Steuerparadies Deutschland spannend, wie wir hier vorgehen müssen. Sebastian Esser hat mir das einmal erklärt: “Krautreporter verwaltet das Geld für die Dauer der Finanzierung treuhänderisch, deswegen machen die keine Umsatzsteuer geltend und reichen das Geld an uns durch.” Wir müssen die Unterstützung jetzt so behandeln, als ob es die Umsatzsteuer beinhalten – ABER NUR, wenn die Leute eine Sachprämie erhalten haben, dann wird es nämlich wie ein Kaufgeschäft behandelt (worunter die 30-Euro-Spenden fallen). Die übrigen Spenden fallen vermutlich in die Kategorie “Schenkungen”, für die keine Umsatzsteuer erhoben wird. “Die Finanzämter sind sich beim Thema Crowdfunding noch nicht einig”, so Sebastian weiter, für uns steht diesbezüglich also auf jeden Fall nochmal ein Besuch beim Steuerberater an.

20 % der verbleibenden Summe werden voraussichtlich an das Projekt Parltrack gehen – deren Funding kann übrigens jeder noch in den kommenden 3 Tagen unterstützen

Der Rest der Spenden geht dann aber direkt in die Finanzierung von Lobbyplag.

Was sind die nächsten Schritte?

Abseits des öffentlichen Medienrummels hat Sebastian die wirkliche Arbeit weiter vorangetrieben – gestern hat er auf Github ein Script als Open-Source veröffentlicht, mit dem Rechtsvorschriften der EU – insbesondere die Regulierungs-Entwürfe von EUR-Lex (http://eur-lex.europa.eu) in ein maschinenlesbares Format (JSON) gewandelt werden können – und zwar Dokumente aller unterstützter Sprachen. Damit ist die Grundlage für das automatische Einlesen von neuen Papieren gelegt.

Ebenfalls in der Mache ist ein Werkzeug zum Überprüfen von möglichen Fundstellen von Lobby-Inhalten in den EU-Amendmends. Auf einer Bildschirmseite bekommt ein Nutzer automatisch erkannte Textpassagen angezeigt und kann qualifizieren, ob es sich bei der Fundstelle wirklich um eine Übereinstimmung handelt. Dieses Tool soll dann auch die Grundlage für das Crowdsourcing werden – hier müssen wir aber noch konzeptionell ran (sollen User Fundstellen auch mit Sternchen bewerten und kommentieren können, sollen Dokumente doppelt von mehreren Usern qualifiziert werden, bevor eine Fundstelle dargestellt wird, etc.).

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Screenshot: Prototyp Vergleichstool

Weitere Visualisierungen sollen auch folgen – wir arbeiten gerade an einer Darstellung der umstrittendsten Passagen von Gesetzesentwürfen – zu welchen Absätzen gab es von Lobby-Seiten die meisten Änderungen/Anmerkungen usw. – noch ist aber unklar, wann wir die endgültige Version freischalten können.

Prototyp: Welche Paragraphen sind besonders umkämpft?

Prototyp: Welche Paragraphen sind besonders umkämpft?

Datenschutzverordnung in der Zielgeraden

Spätestens zum federführenden LIBE-Ausschuss am 24./25. April wollen wir eine Gesamtübersicht geben, welche “Empfehlungen” in den 4 vorausgegangenen EU-Ausschüssen beschlossen wurden und welche Interessensgruppen sich bis dahin am häufigsten durchsetzen konnten. Zu diesem Zeitpunkt sollen alle LobbyPlag-Tools einsatzbereit sein, so dass die Suche nach Copy-&-Paste-Fundstellen im Abschlussbericht gemeinsam im Netz durchgeführt werden kann.

Wir sind natürlich immer an weiteren Entwicklern interessiert, die am Projekt mitarbeiten wollen, außerdem suchen wir Juristen, die uns helfen, Fundstellen und Gesetze nach Relevanz zu sortieren. Und natürlich immer sind wir dankbar für Lobbypapiere.

Wenn wir wie geplant weiterkommen, wollen wir spätestens zur re:publica Anfang Mai etwas präsentieren, mit dem andere dann auch Rumspielen können.

Danke und so

Zum Schluss möchte ich noch mal den entscheidenden Machern danken – ganz vorn Sebastian Vollnhals, der in weniger als drei Tagen einen Protoypen zusammengehämmert hat und danach immer die Bedienfehler vom Rest der Truppe korrigiert hat – und bisher hunderte Stunden in die Entwicklung steckte. Max Schrems fürs Aufstöbern der Geschichte und den juristischen Sachverstand. Dem Multiplikator und Copypaster mit dem coolsten WLAN-Spot Richard. Martin Virtel fürs unermüdliche Datenschaufeln und Übersetzen. Lorenz Matzat ebenfalls für’s Schaufeln und Ideeninput.

4 Gedanken zu „Lobbyplag sagt Danke – Analyse und weitere Schritte

    1. Lorenz Matzat

      Wer OpenDataCity finanziert? Wir sind eine Firma, die man beauftragen kann. LobbyPlag ist allerdings keine Auftragsarbeit, sondern hat bei uns eher „Projektcharakter“ bzw. ist eine pro bono-Arbeit.

      Antworten
  1. Marco Maas Artikelautor

    wobei ich gerade überlege, ob wir per opt-in die spender aufrufen, sich selbst zu erkennen zu geben. mal gucken, vielleicht krieg ich das die tage hin.

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  2. Jörg Budweg

    Also ich bin einer der was gespendet hat (50 Euro), aber wozu soll man sich zu erkennen geben? Ich erwarte weder Dank noch Ruhm und Ehre, empfinde es einfach als gutes Projekt…

    Gruß Jörg

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